Montag, 10. Juni 2013

Cherax vs Procambarus - Unterschiede auf einen Blick

Als mir kürzlich jemand seinen neuen blauen Krebs als Cherax destructor vorgestellt hat, konnte ich auf einen Blick widersprechen. Er hatte einen Procambarus Alleni gekauft, einen blauen Floridakrebs. 
Er wird sicher keine Freude mit diesem Krustentier in seinem Fischbecken haben. 

Wie konnte ich das auf einen Blick unterscheiden: Der Carapax vom Procambarus ist im Verhältnis zum Telson größer. 
Proc. vasquezae Weibchen
Beim Cherax ist der Telson relativ lang. Das sieht man sofort. Kennt man einen, kennt man alle. 
Cherax destructor Weibchen
Die Scheren vom Cherax sind nicht so gezahnt wie beim Procambarus. 
Dies sind die Scheren von einem Procambarus vasquazae Männchen, 6 cm lang im Vergleich zu Scheren vom Cherax lorentzi Weibchen, das Weibchen ist 8cm lang. 
links Cherax, rechts Procambarus
Obwohl das Cherax Weibchen größer ist, sind die Scheren vom kleineren Procambarus wuchtiger und gezahnter. 
Beim Florida-Krebs wären die Scheren übrigens schmäler und weniger warzig. 

Sonntag, 31. März 2013

Procambarus vasquezae Jungtiere drei Monate jung

Heute wollte ich mal meine Jungtiere zählen. Ich bin nicht sicher, ob es drei oder vier sind. 
Eines ist jedenfalls braun, der Rest blau. Es sind mit den Eltern fünf oder sechs Krebse im 110 Liter Becken. 

Das Becken ist gut strukturiert mit vielen Verstecken, sie begegnen sich nicht oft. Und wenn, dann nähern sie sich bis auf fünf Zentimeter und der jeweils Kleinere tritt den Rückzug an. 

Größenunterschied: Im Hintergrund unscharf das Muttertier
Ich habe überwiegend Lavasteine im Becken sowie Mangrovenwurzeln. Als Pflanzen nur Java-Moos und Froschbiss, eine große Algenkugel. 

Mama-Krebs beobachtet mich. Mit unterschiedlich großen Lavasteinen lassen sich Verstecke und Höhlen bauen
Die "Kleinen" sind jetzt zwischen drei und vier Zentimetern lang, ohne Scheren, klein gegen ihre Eltern, aber bereits größer als ein CPO und machen gesund und munter her. 

Nachwuchs 4cm
Gefüttert werden sie abwechslungsreich mit unterschiedlichen Krebs-Sticks und -Bars, Herbstlaub (Buchenblättern) und einmal wöchentlich rote Fliegenlarven. 

in einer Lavasteinhöhle im Hintergund lauert ein Geschwister, ca. 3cm lang
Aktuell sind als wirbellose Mitbewohner im Becken: 

eine große Molukken-Fächergarnele
eine Spitzschlammschnecke und eine Gruppe Neocaridina heteropoda var. Red Fire und Sakura
eine Gruppe Caridina breviata Hummelgarnelen

Samstag, 16. Februar 2013

Procambarus vasquezae Kinderstube

Unser Procambarus vasquezae Mädchen Kleo hat am 1. Januar 2013 ein Dutzend Babys auf die Welt gebracht. Anfangs waren sie nur ein paar Millimeter groß und weiß-glasig, fast durchsichtig. 

Sie blieben die ersten Tage in der Nähe von Kleo, liefen auch auf ihr herum. Kleo passte auf, dass sich kein anderes Tier der Höhle nähert. 
Nach etwa 2 Wochen machten sich die Kleinen selbstständig.

Wenn die Eltern sich näherten, hielt ich die Luft an, aber sie haben sie einfach ignoriert. Leider sind sie auch einfach mal drüber gelaufen und haben versehentlich einen  zertreten. 
Kleo hat sich erst mal richtig vollgestopft nachdem sie wochenlang kaum noch gefressen hatte. Da sind die Bröckelchen nur so geflogen, so wie sie geschlungen hat. 
 
Zur Stärkung gab es auch Frischfisch, den sie sehr schätzt. 

Es kamen die ersten Häutungen, eine jede ein Nervenkitzel. Wenn man das miterlebt, was das für eine Schwerstarbeit für die kleinen Krustentiere ist, sich erfolgreich aus der engen Pelle zu schälen, dann möchte man kein Krebs sein! 
 

Nur jeder zweite Krebs hat die ersten Wochen und die ersten Häutungen gut überstanden. Ich habe sie mit einer Brise Montmorillonit zu unterstützen versucht.  
Sie wurden immer sicherer darin, sich zu verstecken und fraßen auch mal eine Fliegenlarve. Da ich nicht wusste, wie ich sie ernähren muss, habe ich sie mit "Dennerle CrustaGran Baby" gefüttert.  
Es war immer wieder eine Freude, sie unter einem Fels oder auf einem Mangroven-Holz hervorlinsen zu sehen. 

Im Alter von einem Monat kletterten sie überall herum und schnappten sich auch größere Brocken von Krebsfutter, zum Beispiel Craysticks. 

Man sieht sie selten, sie sind irgendwo in den Weiten des Beckens auf Achse. Heute hab ich einen entdeckt und schnell ein Foto gemacht, bevor er wieder verschwunden war. 

Ob die Eltern ihnen nachstellen oder sie sich gegenseitig dezimieren kann ich nicht sagen, aber ich fürchte, dass nur ein Drittel vom Dutzend überlebt hat. 
Der Krebs, den ich heute fotografiert habe scheint das Gröbste überstanden zu haben. Er hat schon Tarnfarben angelegt und wird zwei Zentimeter groß sein.

Samstag, 2. Februar 2013

Crayfish Love Story - Procambarus vasquezae Paarung

Procambarus vasquezae kuscheln bekanntlich gern in einer Höhle. Gestern hatte ich das erste Mal die Gelegenheit eine Paarung zu beobachten, leider an einer so dunklen und versteckten Stelle, dass ich es zwar beobachten, aber nicht fotografieren konnte.  
Das Weibchen hat die Initiative ergriffen, direkt vor seiner Dennerle Pepple Cave auf den Rücken gelegt und gewartet. Er kam heraus und hat das Angebot wahr genommen. 
So lagen sie ca. 20 Minuten in Missionarsstellung vor der Höhle. Schließlich hat er sich im Rückwärtsgang in die Höhle zurück gezogen, Kleo hat sich umgedreht und ist davon marschiert. 
Gleich danach hat sie sich ausgiebig geputzt und einen jungen und unerfahrenen Zwergpanzerwels Corydoras pygmaeus gefangen und fast komplett aufgefressen
Archivfoto von Kleo, sie hat sich mittlerweile gehäutet, ist nicht mehr so blau, dafür ist die Schere wieder nachgewachsen. 

 

Freitag, 25. Januar 2013

Häutung von Flusskrebsen, hier Procambarus vasquezae

Liegt am Morgen ein toter Krebs im Becken kann es sich lohnen genau hinzuschauen. Meist handelt es sich um den abgelegten Panzer (Exuvie) eines frisch gehäuteten Krebses. 
Exuvie - ich muss gestehen, dass ich jedes Mal aufs Neue erschrecke
Wenn ein Krebs sich häutet ist das immer eine faszinierende Angelegenheit für den Krebsfreund, eine anstrengende und lebensgefährliche für den Krebs. Der Krebs trägt sein Skelett außen, der Panzer stützt und schützt den Wirbellosen. Da der Panzer sehr hart ist, muss der Krebs aus ihm aussteigen wie ein Ritter aus seiner Rüstung, wenn er wächst. Das Alter der Krebse richtet sich nach der Anzahl der Häutungen, also ist es ungünstig wenn er sich zu oft häutet. Deshalb ist es wichtig, ihn nicht zu proteinreich zu ernähren oder gefährlichen Umwelteinflüssen mit der Folge von Nothäutungen auszusetzen, da dies zum vorzeitigen Tod führen kann. Auffällig häufige Häutungen sind immer ein Hinweis auf falsche Ernährung oder andere Probleme! 
Eine misslungene Häutung ist der natürliche Tod eines Krebses. Für uns eine klaustrophische Vorstellung, für den Krebs ein ganz natürlicher Vorgang. Geht alles gut, erstrahlt der Wiedergeborene in neuem Glanz. 
Am faszinierendsten finde ich, dass verloren gegangene Gliedmaßen nachwachsen, allerdings eine Nummer kleiner. 
runderneuert
Ich habe ein Dutzend Häutungen bei 3 verschiedenen Krebsarten beobachten dürfen und war jedes Mal fasziniert aber auch maximal angespannt, wenn ich ihn kämpfen sah. Ich berichte hier nur, was ich selbst beobachtet habe. Die Fotos zeigen die Häutungen von Procambarus vasquezae. Man erkennt eine bevorstehende Häutung daran, dass der Krebs weniger aktiv ist und sich seine Farbe verändert. Ich finde, man sieht es vor allem an den Augen. Alles wirkt ein bisschen glasig-blass.  
Eine Weile vor der Häutung fressen manche Krebse auffällig mehr als sonst, die Tage unmittelbar vor der Häutung eher weniger oder gar nichts mehr. Die Häutung scheint überraschend für ihn zu kommen denn, obwohl er während der Häutung völlig ungeschützt ist, legt er sich wo er gerade geht und steht auf die Seite und beginnt sich aufzupumpen. Der Krebs liegt während der aktiven Phase mehr oder weniger lang auf der Seite. Ich habe deutliche Unterschiede zwischen den Krebsen erlebt wie der Akt der Häutung abläuft
Manche liegen sehr ruhig, andere bewegen die Gliedmaßen, manche machen kleine Sprünge, vor allem Jungtiere. Schaut man genau hin, verformt sich der Carapax, beult sich etwas aus. Schließlich klappt der Carapax oben auf wie bei einer Flugzeugkanzel. Manche Krebse schlüpfen wie ein Menschenbaby in Zeitlupe auf die Welt, andere flutschen blitzschnell heraus. 
Der Pleon zeigt zum Beobachter, der Carapax ist im Moment der Aufnahme aufgeklappt, der Krebs flutscht nach rechts heraus (grünblau)
Möchte man ein Foto machen muss man flott sein und braucht einen schnellen Motordrive. Nach der Häutung stutzt er eine Schrecksekunde lang und zieht sich dann schnell zurück, denn der Panzer ist anfangs weich wie Butter, deshalb die Bezeichnung Butterkrebs. Den alten Panzer kann man herausnehmen und trocknen und mit der Lupe studieren
Deckel auf
Besser ist, man lässt die Exuvie, wo sie ist, denn der Krebs frisst den alten Panzer in der Regel auf. Manchmal wartet er damit ein paar Tage, wohl weil die Exuvie dann weicher ist. Manchmal macht sich auch ein Artgenosse darüber her. Die harten beweglichen Segmente der Scheren wurden in meinen Aquarien nicht gefressen.
nadelscharf und knochenhart

Freitag, 18. Januar 2013

Artgerechte Fütterung der Procambarus vasquezae

Krebse wie die Procambarus vasquezae ernähren sich hauptsächlich vegetarisch und vertragen proteinreiche Nahrung nur als Jungtiere. Bei ausgewachsenen Tieren kann es zu Häutungsproblemen führen, wenn sie zu gehaltvolle Nahrung aufnehmen, weil die Krebse dann schneller wachsen als ihr Panzer.  
Deshalb müssen sie pflanzlich ernährt werden. Gelegentlich verlangt es ihnen aber auch nach Eiweiß, das kredenze ich ihnen dann in Form von roten Fliegenlarven (meist Frostfutter) oder Frischfisch aus dem Supermarkt.
lecker Wurm!
Einfach eine Ecke vom Fisch abschneiden und rein ins Becken. Julia lässt sich nicht lange bitten
 
Pangasius
Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, wann sie Eiweiß wollen. Sie lassen dann das übliche Futter eher liegen und laufen suchend umher. Sie sind diesbezüglich sehr verbindlich in ihrer Körpersprache! Warum Julchen mehr Protein verlangt als die anderen, hat sich mir bisher nicht erschlossen. Das ist schon seit Monaten so. 
Eine gute Alternative sind Blasenschnecken wie die kleine amerikanische Posthornschnecke Planorbarius dury dury, da gönnt sich der Catemaco-Krebs hin und wieder einen Snack.
lecker lecker
Am Besten man gibt die PHS nur nach und nach ins Becken und hält einen Vorrat extra, denn sie können leicht zur Plage werden. 
Meine Catemacos ernähren sich hauptsächlich von Herbstlaub, besonders von Buchenblättern und Seemandelbaumblättern. Für die Buchenblätter mache ich extra einen Ausflug auf die Schwäbische Alb, 
Buchenhain
schmutziges und mit Schadstoffen belastetes Herbstlaub aus der Stadt möchte ich ihnen nicht zumuten.  
Seemandelbaumblätter kauft man am Besten auch auf einer Messe, ansonsten kaufe ich welche von der Firma JBL oder Dennerle. 

Seemandelbaumblätter färben das Aqurienwasser braun, Huminsäure senkt den pH und ist wie Medizin
Aus dem Garten gibt es frische Brennessel. Alles Aufgezählte wird überbrüht und nach Abkühlung ins Becken gegeben. Buchenblätter haben sie immer einen Vorrat im Becken, sobald es ein bisschen weich geworden ist fressen sie davon, wie es ihnen gerade beliebt. 
Die vielen Blätter sind auch gute Verstecke und auf dunklem Grund strahlen die Buchenblätter wie der goldene Oktober. 
Pflanzenreste (Detritus) ist ideale Nahrung für den Nachwuchs
Sehr gern fressen die Krebse getrockneten Kürbis, frischen Paprika 
 
alles Bio
und Cocktail-Tomaten sowie Gurken. Alles Bio! Macht man die Gurkenscheiben sehr dünn, hilft ein Stäbchen beim Ankern. 
Akrobat schön!
Für Abwechslung sorgen spezielle Sticks für Wirbellose, die ich auf der Messe günstig einkaufe, ansonsten das sehr beliebte Tetra Crusta Menu. 
Ein bisschen schwierig ist es den Nachwuchs proteinreich zu ernähren, ohne dass die Elterntiere sich draufstürzen. Ich gebe deshalb eine kleine Menge Artemia (Frostfutter) ins Becken. Das verteilt sich gleichmäßig im Becken und wird von den Elterntieren schon mal deshalb weniger gefressen, weil sie selten im ganzen Becken herumkommen so wie die Kleinen.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Procambarus vasquezae im Gesellschaftsbecken

Der Procambarus vasquezae gehört zwar von der Gliederung seines Körpers her zur Gattung Procambarus, ist vom Charakter her aber ein sehr umgänglicher und friedlicher Flusskrebs, eher wie ein Cherax. 
Eine Haltung im Gesellschaftsbecken ist deshalb gut möglich bis auf ein paar wenige Ausnahmen. 

Ich berichte nur über die Vergesellschaftung mit Mitbewohnern, welche ich selbst erlebt habe

Völlig problemlos ist die Haltung im Gesellschaftsbecken zusammen mit dem attraktiven kleinen Boraras Brigittae, dem Moskitobärbling. 


Man muss lediglich darauf achten, die Fische sparsam zu füttern, weil übrig gebliebenes Fischfutter nicht gesund für die Krebse ist. 

Die Krebse harmonieren auch sehr gut mit Wirbellosen wie Neocaridina heteropoda var. Sakura und Red Fire 


und Caridina cf. breviata, der Hummelgarnele 


sowie Caridina multidentata, der beliebten Amanogarnele. 


Schnecken hat der Catemaco-Krebs zum Fressen gern. Alle Schnecken, die keinen Deckel haben werden früher oder später als Snack einem Krebs zum Opfer fallen. 
Sehr beliebt als Eiweißzulage sind Blasenschnecken, wie die Posthornschnecke Planorbarius, welche sich aber stark vermehrt und trotz der Gefährdung zur Plage werden kann.


Keine Probleme mit größeren Welsen wie dem Ancistrus sp., dem Antennenharnischwels.  


Kleine Panzerwelse werden zwar nicht angegriffen, verirrt sich aber mal einer in die Krebs-Höhle wird der Eindringling attackiert. 


Von der Vergesellschaftung mit größeren Fischen als dem Moskitobärbling rate ich ab. Meine Perlhuhnbärblinge zeigen großes Interessa am Nachwuchs von Wirbellosen. Sie sind allerdings auch XL.


Der Krebs zeigt Jagdverhalten, versucht sie zu fangen und erwischt sogar hin und wieder einen, dafür revanchieren sich diese größeren Fische, indem sie dem Krebsnachwuchs nachstellen.